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Ortelsdorfer Straße, Ortsliste Nr. 43

 

Das Gut lag dorfabwärts links der Ortelsdorfer Straße, gegenüber dem Grundstück Ortelsdorfer Straße 42 etwa 20 Meter weiter. Am 9. Juli 1877, gegen 1/2 11 Uhr am Abend, brannte es ab und wurde danach nicht wieder aufgebaut. Im Jahre 1888 ist dann die Fläche in Gartenland bzw. Wiese verwandelt worden. Es handelte sich, so zumindest seit dem 18. Jahrhundert nachweisbar, um einen regelmäßig angeordneten Vierseitenhof, über dessen Gebäudegestaltung bislang nichts ermittelt werden konnte.

 

Der zum Gut gehörige Wirtschaftsweg verlief vom Dorfbach, rechts am Hof vorbei, dann links am Zaun des Grundstücks Ortelsdorfer Straße 42, wo er noch heute sichtbar ist, entlang bis kurz vor die heutige Kreutzung von B 169 und Niederwiesaer Straße. Von dort an benutzte der Bauer die Niederwiesaer (damals Frankenberger) Straße bis zur Wettinhöhe, von wo es geradeaus über den zu Lichtenwalde gehörigen Schaftriftweg, der später auch zur Chaussee ausgebaut wurde, bis zum Imsberg weiter ging. So kam er zu seinen rechts des Weges befindlichen Feldern.

Das Anwesen gehörte mit 25,3 ha (1841) Ackerland, Wiesen und Wald zu den größeren Gütern (3/4 Hufengut oder 1 fränkische Hufe) im Ort. Von seiner Fläche muss schon sehr früh (vor 1561) das Grundstück Ortelsdorfer Straße 42 abgetrennt worden sein, da es nicht auf kommunalem Boden, sondern vermutlich als Auszugshaus errichtet worden war. 1843 hatte der Bauer Donner ein Grundstück zur Erbauung eines neuen Chaussee-Hauses (Straßengeldeinnahmestelle, Wettinhöhe) an den Staatsfiskus abgeben müssen.

Ein nicht unbedeutendes Stück Wald bzw. Gehölz lag zwischen dem Hof und der Wettinhöhe. 1615 hieß es „Nicol Augstins Holtz“ bzw. „Nicol Augstins Birckenpusch.“ Es ist Mitte des 19. Jahrhunderts gerodet worden. Ein weiteres Waldstück (1841 Fichtenhochwald) war am Imsberg, hinter dem sich noch, etwas oberhalb der Dreiständerteiche, eine Wiese am Würschnitzbach befand. Ein kleiner Teich war unmittelbar hinter dem Grundstück Ortelsdorfer Straße 42.

Nachdem das Gut nicht mehr bestand, sind die landwirtschaftlichen Flächen so verteilt worden, dass 1889 den größten Teil Graf Vitzthum von Eckstädt von seinem Rittergut in Lichtenwalde aus bewirtschaften ließ. Andere Anteile hatten Engelmann und Peuckert sowie Franke aus Lichtenwalde bekommen. Eine große Fläche davon wurde um 1990 für den Bau der Einzelhandelseinrichtung "Allkauf Otten" versiegelt und liegt bis heute brach. Alle ehemals zum Gut gehörigen Grundstücke sind 1919 Lichtenwalde zugeschlagen worden, kamen aber mit Wirkung vom 1. Januar 1996 wieder zum Stadtteil Ebersdorf zurück.

Das Gut im Jahr 1874. Zugehörige Grundstücke rot markiert. Steinkohlevorkommen grün umrandet.

 

 

Besitzerfolge

 

1501 und 1530 ist Hans Thuner bzw. Thumer (= Thümer) Besitzer. 1530 lebt noch seine Mutter mit im Gut, zwei Töchter und ein Bruder; 1562 Nickell Augstenn. Dieser Nikolaus d. Ä. Agsten war 1512 oder 1513 geboren, zwei mal verheiratet und starb 1599 als Auszügler; 1597 übernimmt der Sohn Nicol Agsten junior den Hof. 1598 hatte er Sibylla geheiratet und 1628 das Gut mit dem Haus (Mittweidaer Str. 149) seines Sohnes Gregor Agsten († 1673) getauscht; Gregor Agsten ist 1638 (30jähriger Krieg) so verarmt, dass er keine Steuern mehr zahlen konnte. Das Gut fiel darauf hin wüst und war auch abgebrannt; 1652 übernimmt es der älteste Sohn Georg Agsten († 1697) ohne jegliche Gebäude und beginnt mit dem Wiederaufbau; 1690 kauft es Christoph Richter, der Schwiegersohn Georg Agstens, mit neu gebautem Wohnhaus, Scheune und Ställen; 1693 George Aßmus (?); 1695 bis 1743 Christoph Richter; 1743 der Sohn Christian Richter; um 1757/58 Gottlieb Donner kauft das Gut seines Stiefvaters Christian Richter; 1766 Gottlieb Doner; 1772 (Joh. Michael Donner ?); 1780 Gottlieb Donner bis um 1802; um 1802 übernimmt der Sohn Gottlieb d. J. Donner; um 1829/30 übernimmt der Sohn Johann Gottlieb Donner; 1841 und 1843 Johann Gottlieb Donner; dann weiter Donner. 1877 ist Otto Friedrich Hermann Günther Graf Vitzthum von Eckstädt Besitzer.

 

Anmerkungen

 

Bei dem Brand von 1877 wurden in kürzester Zeit das Wohnhaus, die Scheune und zwei Seitengebäude in Asche gelegt. Alle vier darin wohnenden Familien (Vogelsang sen., Vogelsang jun., Gräbner und Lange) konnten in Sicherheit gebracht werden, doch all ihre unversicherte Habe wurde ein Raub der Flammen. Neben der Ebersdorfer Feuerspritze waren auch fünf Feuerspritzen aus den Dörfern der Umgebung angerückt. Es gab Anlass Brandstiftung zu vermuten. Der Gemeinderat veranlasste bald darauf eine Sammlung für die Opfer.

 

An drei Stellen der zum Gut gehörigen Flur treten Steinkohle führende Schichten zu Tage, nämlich eine zwischen dem Haus Ortelsdorfer Straße 42 und der Kreuzung von B 169 mit der Niederwiesaer Straße und eine weitere zwischen Wettinhöhe und Imsberg. Diese beiden gehören zur unteren Stufe der unteren Steinkohlenformation des Culm. Die dritte Stelle am Südhang des Imsberges gehört der oberen Stufe der oberen Steinkohlenformation an. Soweit bekannt, wurden diese aber nie in Abbau gebracht.