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Mittweidaer Straße 44

Das Hausgrundstück im Jahr 1919

Das direkt an der Straße stehende Haus, sein Seitengebäude und die beiden kleinen Wirtschaftsgebäude dahinter wurden in den 1990er Jahren abgerissen. Alle samt waren keine kultur- und baugeschichtlich interessanten Objekte. Das Hauptgebäude war ein völlig schmuckloser Bau aus Ziegel- und Bruchsteinen mit einem Ober- und dem Dachgeschoss gewesen, das Satteldach mit Schiefer gedeckt. Der Eingang mit Holzvorbau befand sich auf der Rückseite im Hof. Der Zeitpunkt seiner Erbauung dürfte in der Zeit zwischen 1840 und 1880 zu suchen sein. – Das etwas von der Straße her eingerückte einstöckige Seitengebäude wurde um 1911 erbaut, hatte nur ein Flachdach und relativ hohe Fenster, deren Stürze mit unverputzten Ziegeln leicht gewölbt waren. Zugänglich war es sowohl vom Hinterhof als auch von vorn. - In den beiden Wirtschaftsgebäuden waren neben anderem die Kohlenlager als auch die Aborte untergebracht.  

Diese Baugruppe hatte zwei ziemlich alte Vorgängerbauten, über deren Aussehen fast nichts bekannt ist, an die aber hier zu erinnern wäre. Ein erster Hausbau war bereits vor 1587 vorhanden, ist im 30jährigen Krieg bzw. nach 1638 wüst gefallen und wurde 1704 durch einen Neubau ersetzt, der dann im 19. Jahrhundert dem beschriebenen Hauptgebäude weichen musste. 

 

Das zum Haus gehörige Grundstück war (1841) insgesamt 1566 qm groß und ursprünglich Eigentum der Kommune, denn 1789 wird es beschrieben als „auf der Gemeinde und unter Johann Michael Petzolds Vorhaupt“ gelegen.

 

Besitzer des Hauses

 

1587 Brosius Schumann, welcher das Haus von Gorg Tauerschmidt ertauscht hatte; 1589 Georg Kromer kauft Brosius Schumans Haus. Und das Häuslein samt dem Garten ist dem Bartell Thumler, wegen der Schuld gegenüber einem früheren Besitzer, zum Unterpfand eingesetzt; 1592 Valten Teichman kauft es von Gorg Kromer, der dann nach Rochlitz zieht; 1595 Valten Teichmann; um 1617 Gregor Lohse kauft des verstorbenen Valentin Teichmann Haus; um 1618/19 Gregor Lose und Gregor Böhme tauschen miteinander ihre Häuser; um 1619 Hans Göhler kauft es von Gregor Böhme; 1619 Michael Heinens (Hahns) selig hinterlassene Witwe Margaretha kauft Hans Göhlers Häusel; 1622 Michael Günther; 1638 Michael Heinn, vermag noch zu zahlen und zu dienen; 1695 Michael Günther, wüst liegend; 1704 Hans Krauße kauft den von Michael Günther hinterlassenen wüsten Häuselfleck, der jedoch nach dem Steuerregister Bastian Teichmann zugehört haben soll, und baut wieder auf; 1725 Christoph Viehweger kauft es von Michael Ranffts hinterlassener Witwe Maria, auch die alte Kraußin wohnte noch mit im Haus; 1733 Samuel Lobig kauft es vom Schneider Christoph Viehwegers; 1752 Samuel Lobig d. J. übernimmt das Haus vom Vater und gewährt seinen Eltern darin den Auszug; 1778 kauft es der Sattlermeister Carl Friedrich Günter von seinem Schwiegervater Samuel Lobig für 62 Gulden. Er gewährt den Schwiegereltern den Auszug im Haus; um 1789/90 kauft Carl Friedrich Günther, noch unter Vormundschaft des Ebersdorfer Leinewebers Berger, seines Vaters gleichen Namens hinterlassenes Haus von den Miterben; 1793 Gottfried Pötzsch kauft der beiden unmündigen Gebrüder Günther Haus; um 1799 übernimmt Gottfried Pötzsch d. J. seines Vaters Johann Gottfried Haus; um 1825/26 Johann Michael Irmscher kauft des verstorbenen Johann Gottfried Pötzschs Haus; 1841 Johann Michael Irmscher; 1932 Hausbesitzer ist der Stellmacher Gustav Pawlowsky, wohnt im Seitengebäude 1. Stock. Darunter wohnt der Materialwarenhändler Paul Pawlowsky. Im Hauptgebäude wohnt im Erdgeschoss der Wagenrücker Ernst Anke. Der invalide Werkstattarbeiter Heinrich Grabig bewohnt sowohl im Erdgeschoss als auch darüber Räume. Unterm Dach hat der Bahnarbeiter Willy Bohr seine Wohnung; um 1965 bis um 1980 wohnen im Hauptgebäude der Hausbesitzer W. Lewick und Familie Pechmann, im Seitengebäude Ay und das Ehepaar Kurt und Elli Kaden. Letztere beide bekannt als Betreiber der Gartenkantine „Zur Höhensonne“ in den 1980er Jahren.

 

 

Besonderheiten

 

Der Hausbesitzer Michael Hein ist mit dem Hausbesitzer Michael Günther identisch, wie Eintragungen im Kirchenbuch belegen. Im 17. Jahrhundert kam es gelegentlich noch vor, dass eine männliche Person den Familiennamen wechselte und dies auch amtlich anerkannt wurde. Er hatte im Jahr 1600 Martha geborene Otte geheiratet, welche 26 Jahre in Ebersdorf als Wehfrau praktizierte. Michael Günther soll schon zwischen 1629 und 1634 gestorben sein. Möglich dass danach seine Witwe noch eine Zeit das Haus bewirtschaftete. 

Bei der Auszugsregelung von 1778 wird erwähnt, dass zum Inventar des Hauses auch ein Dresdener Gesangbuch gehörte, welches die hochselige Frau Geheimrätin Gräfin von Watzdorf (1744) in dieses Haus verehrt hatte. Weitere Inventargegenstände waren 1 Tisch in der Stube, 1 Lehnbank und 1 Lehnstuhl, 1 Backtrog, Backschüsseln, 1 Axt und 1 Beil, 1 Handsäge, 1 Schaufel, 1 Schiebebock, 1 Ofen- und 1. Mistgabel, 1 Feuerhaken und 1 Dachleiter. Der Käufer musste sich die Stube mit den Auszugsleuten teilen und ihnen ein Stück Garten, das so genannte viereckige Stückchen, welches unterhalb des Hauses an der Straße bis zum Dorfbach reichte, mit den Obstbäumen einräumen. Bei dem Auszug von 1752 werden die Obstbäume im Garten als „Härtling Apfel Baum“, der mitten im Garten stand, als ein Birn- und vier Pflaumenbäume beschrieben, die unten im Winkel an Gottfried Lindners Gärtchen standen.

 

1778 bestand auch eine Zinszahlungsverpflichtung gegenüber der Stiftskirche, die bereits 1752 erwähnt wird und von einem erborgten Kapital (vielleicht für den Hausbau von 1704) herrührte.

Um 1803 wurde das Haus von Gottfried Pötzschs verpfändet, weil er ein Kapital von 50 Talern aus dem Vermögen des unmündigen Johann Michael Irmscher zu Auerswalde erborgt hatte. 1823 konnte diese Schuld auf den minderjährigen Karl Gottfried Thümer aus Ebersdorf bezogen werden.