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Lichtenauer Straße 27

Das Grundstück urprünglich rot, Erweiterung um 1900 grün hinterlegt. Steinbruch mit grüner Linie gekennzeichnet. Karte 1942.

Das ganz und gar ins alte Dorfbild passende, aber wohl immer hinter Obstbäumen etwas versteckt gelegene Haus mit einfachem Satteldach war vor 1789 errichtet worden. Das Untergeschoss bestand aus Bruchstein, Obergeschoss und Giebel aus verblendetem Fachwerk. Ein etwas versetzt dahinter gelegenes Wirtschaftsgebäude stammte aus der Zeit um 1850/60. Beide wurden in den 1990er Jahren abgerissen und das Wohnhaus durch einen Neubau an gleicher Stelle mit annähernd gleichen Ausmaßen ersetzt.

 

Das an der Grenze des Dorfes zur Flur gelegene Grundstück (1841 das Haus mit dem Hof = 92 qm, Garten und Feld = 682 qm) wurde um 1900 nach Süden und Westen hin erweitert, indem vormals gemeindeeigene Fläche in der Flur, die bis um 1860 noch mit Fichtenwald bestanden war, hinzu erworben wurde. In diesem Bereich befand sich vorn an der Straße 1841 ein kleiner Steinbruch, der sich bis 1880 in südwestlicher Richtung weiter ausdehnte. Aus ihm gewann man den hier dicht unter der Oberfläche anstehenden Porphyrtuff, der als Baumaterial Verwendung fand oder auch auswärts zu Düngemittel (Chilesalpeter) verarbeitet wurde. Mit dem Steinbruch ging man aber nicht sonderlich in die Tiefe, auch war er an dieser Stelle nicht lange oder nur zeitweise in Betrieb. Noch in den 1960er Jahren verfüllte man nördlich des Hauses eine Grube mit Schutt. 

Nach einer Dismembration des Grundstücks um das Jahr 2000, wurde im an der Straße liegenden Teil ein weiteres neues Häuschen erbaut.

 

Ein Brandunglück traf das Anwesen am 17. September 1907 gegen halb 8 Uhr abends. Im Scheunen- und Stallgebäude war Feuer ausgebrochen, so dass dieses völlig eingeäschert wurde. Der Besitzer Köhler pachtete darauf hin das Gut Ortelsdorfer Straße 1 und veräußerte das Haus an Franz Fürchtegott Hertel.

 

Besitzverhältnisse

 

Erste Besitzerin ist die Gemeinde Ebersdorf bis 1865 gewesen, welche das Haus als Armenwohnung nutzte; Carl Gottlieb Höppner ab 1865; 1901 bis 1907 Otto Richard Köhler; 1908 Franz Fürchtegott Hertel; 1932 sind die Erben der Witwe E. Hertel Hausbesitzer. Im Haus wohnen im Erdgeschoss der Kaufmann Fritz Hertel und die Rentnerin Marie Hertel. Im Obergeschoss wohnt Georg Flade, ein Werkstättenarbeiter; um 1965 wohnt im Haus Familie Meusel, später Ecksteins.

 

Bemerkungen

 

Armenwohnungen und Armenhäuser waren in jener Zeit unentbehrlich geworden. In Sachsen sorgten Unruhen und die revolutionären Ereignisse von 1849 für die Ablösung der alten feudalen Gesellschaftsordnung durch die kapitalistische (freie Marktwirtschaft). Der damit verbundene Aufstieg des Bürgertums, die fortschreitende Industrialisierung der Produktion und die Kapitalkonzentration in den Händen weniger Unternehmer erfolgten keineswegs nur zu Lasten des Adels, der sich nun genötigt sah neue Einnahmequellen zu ersinnen, sondern führten auch zur Verarmung größerer Teile einer enorm wachsenden Bevölkerung. Die Armenkassen der Gemeinden und der Kirchen waren kaum noch in der Lage das Elend zu lindern. Der Adel, an dessen soziale Verantwortung man sich in früherer Zeit ebenfalls wenden konnte, fühlte sich nun für seine ehemaligen Untertanen nicht mehr zuständig.

Erst durch die Kaiserliche Botschaft von 1881 wurde der Weg zur staatlichen organisierten Fürsorge geebnet, so dass drohende Armut im Falle von Unfall, Krankheit, Alter usw. verhindert und das soziale Elend abgemildert werden konnte.