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Frankenberger Straße 228. Das ehemalige Volkshaus Ebersdorf

(unter Verwendung eines Beitrages von Uwe Kaufmann)

 

 

2012 verschwand mit dem ehemaligen Volkshaus Ebersdorf ein weiteres sichtbares Stück Ebersdorfer Geschichte. Der ursprüngliche Name des Hauses war „Gasthaus Neuebersdorf“, benannt nach dem neuen, um 1880/1900 entstandenen Ortsteil der damals noch selbständigen Gemeinde Ebersdorf.

Nach Abtrennung eines Feldgrundstückes von dem damals Petzoldschen Gut (Frankenberger Straße 271) wurde ein erstes Wohnhaus an dieser Stelle 1869 durch Friedrich August Rockoff erbaut, welches er schon 1872 durch einen Anbau erweiterte. Rockoff starb vor 1887 und hinterließ die Ehefrau Lina Hedwig, geborene Seyrich. Letztere erweiterte die Gebäude 1887 durch einen weiteren Anbau und vermählte sich erneut mit Gustav Hermann Hoppe, welcher 1893 das Anwesen besitzt. Die Einrichtung des Wirtshauses dürfte mit dem Um- oder Neubau von 1887 erfolgt sein. Gustav Hermann Hoppe war noch 1913 Eigentümer dieses Restaurants. 

Plan von 1903. Heinrich-Heine-Straße und Klopstockstraße sind geplant, aber noch unbebaut

Die Entstehung des Volkshauses als Gastwirtschaft fiel in eine Zeit, wo sich der Ortsteil Neuebersdorf zu entwickeln begann und gründerzeitlichen Bauboom erlebte. Mit dem kurz nach der Jahrhundertwende erfolgten Um- und Ausbau des Güterbahnhofes war der Wohnraumbedarf für hinzu ziehende Eisenbahnerfamilien enorm gewachsen, und von daher war es auch möglich geworden, trotz kürzester Entfernung zu benachbarten Gasthöfen, an der wichtigen Staatsstraße von Chemnitz nach Frankenberg und Mittweida diese Gastwirtschaft zu eröffnen.

 

Nach dem ersten Weltkrieg war das Lokal kurzzeitig geschlossen, doch bereits 1919 übernahm der Ebersdorfer Turn- und Sportverein (TuS) das Lokal und baute es als sein Domizil unter dem Namen „Turnerheim Ebersdorf“ aus, vermutlich in Kooperation mit dem Ebersdorfer deutschen Spielmanns-Verein (DSV). Der TuS (1882 gegründet) hatte ja seit der Jahrhundertwende eine relativ hohe Mitgliederzahl, aber kein eigenes Heim. Der kleine Festsaal konnte nun als Turnhalle genutzt werden, die Gaststube diente wie ehedem der Bewirtung und auch das kleine Vereinszimmer wurde genutzt. Doch die Räumlichkeiten wurden bald zu eng und so baute man Mitte der 20er Jahre gegenüber auf der anderen Seite (Frankenberger Straße 219) eine neue Turnhalle.

Bereits vor dem Verbot des Vereins während der nationalsozialistischen Zeit, führte das Haus (laut Adressbuch) wieder seinen alten Namen „Gasthaus Neuebersdorf.“ Im Erdgeschoss befanden sich zu dieser Zeit (1932) die Wirtschaftsräume, darüber wohnte der Verwalter O. Lehmann sowie im Dachgeschoss der Schmied Lohr. Auch nach dem Krieg wurde der alte Arbeitersportbund nicht wieder zugelassen, doch das ehemalige Turnerheim Ebersdorf bekam nun den Namen „Volkshaus Ebersdorf“ zugesprochen.

Noch einmal erfuhr das Haus einen starken Aufwind und die Räumlichkeiten waren für die Nachkriegsverhältnisse völlig ausreichend. Neben Rathaus, Kirche und Schule war das Volkshaus nun eine der wichtigsten Tagungs- und Kommunikationsstätten des Ortsteiles. Doch nicht sehr lange, und mit steigenden Ansprüchen der Gäste und sich vergrößerndem Angebot büßte das Haus auch an Attraktivität ein. Bei der Konsumgenossenschaft, zu welcher das Volkshaus während der DDR-Zeit gehörte, war es unter der Handelsbetriebs-Nummer 7100 (1971) eingetragen.

Nach der Wiedervereinigung von 1990 sind alle Rettungsversuche auf Dauer nicht erfolgreich gewesen, weder der Textil-Wühltischladen, noch das Blumengeschäft, nicht mal der Getränkebasar und auch nicht die noch einige Zeit veranstaltete Disko im engen Kreis vermochte einen ausreichenden Kundenstamm aufzubauen. Die Gebäudesubstanz verwitterte zusehends und dann kam es, wie es kommen musste. Verklungen das letzte Lied, geleert das letzte Glas, beendet diese letzte Initiative, fallen gelassen der letzte Rettungsplan und - inzwischen sogar die Haltestelle Volkshaus umbenannt.

 

Bilderklärung: obere Reihe, v. l. n. r. 1. Gästeeingang 2. Gaststube 3. Sitzungs- und Vereinszimmer 4. Saal, zuletzt völlig verfremdet und die Fenster verplattet 5. Seitenansicht, insofern interessant, da sich hier optische Hinweise für das tatsächliche Alter des Hauses und sein ursprüngliches Aussehen finden. Der giebelartige Dachausbau an der Frontseite ist vermutlich eine spätere "Zutat" wie auch andere Umbauten, so z. B. die links und rechts verschiedene Giebelform.
mittlere Reihe, v. l. n. r. 1. Küche, bereits modern mit Lastenfahrstuhl und zwei Durchlauferhitzern 2. der Aufzugsmotor (Fabrikat und Baujahr unbekannt) 3. Gesamtansicht 4. alte Ansich des Saales (Sammlung G. Cichos).

Untere Reihe, v. l. n. r. 1. und 2. Wohnräume 3. Heizungskeller 4. Vorratskeller 5. alte Ansicht der Gaststube (Sammlung G. Cichos). Dank an Herrn Uwe Kaufmann, der die Postkarte zur Verfügung stellte und sie beschrieb.